Der Archos 9 pctablet weist entgegen den sonst erhältlichen Slates - die hauptsächlich für die Industrie, B2B oder vertikale Märkte konzipiert sind - einen modernen Consumer-Stil auf. Die Verarbeitung ist hervorragend und ohne Mängel, das dünne Standbein ist auf Dauer nicht besonders belastbar, es klemmt und man bekommt es schwer aus der Einrasterung.
Der Archos 9 ist mit knapp 800 Gramm nicht schwer und liegt gut in der Hand. Ein G-Sensor fehlt, sodass man nicht durch Drehen des Tablets in den Hochformat Modus wechseln kann. Die Eingabemöglichkeiten sind eingeschränkt, denn die virtuelle QWERTZ Bildschirmtastatur von Archos reagiert nicht sensibel und lässt sich mit 10 Fingern schlecht bedienen. Zudem muss man die Tastatur bei Bedarf händisch einblenden und eine Schrifterkennungssoftware fehlt, was nicht benutzergerecht ist; lange Texte kann man damit vergessen. Mit den mitgelieferten Stift kann man zwar genauer arbeiten, aber dieser biegt sich stark durch (bruchgefahr) und der TouchScreen ist/lässt sich nicht präzise kalibrieren; alternativ gibt es einen optischen Mausersatzsensor. Wegen der lüfterlosen Kühlung ist der Archos 9 lautlos, das Gehäuse und die Komponenten werden aber ordentlich warm.
Der kleine Intel Atom Z510 Silverthorne Prozessor ist mit 1,1 GHz nicht besonders leistungsstark. YouTube und HD-Videos sind wegen der nicht aktivierbaren Hardwarebeschleunigung der Intel GMA 500 Grafikeinheit im US15W Poulsbo Chip nicht flüssig, DivX und XVid Videos laufen aber problemlos. Windows 7 bringt das System an seine Leistungseserven, denn mit nur 1 GB DDR2-400 Arbeitsspeicher ist nicht viel Spielraum vorhanden. Die Festplatte ist mit 60 GB für ein Slate ausreichend für Daten, Filme und Musik - auch wenn der kleinere Archos 5 (Google Android) sogar 500GB hat. Der Archos 9 hat nur einen USB, der zudem einen Kurzschluss verursacht wenn man eine USB Festplatte anschließt bei angestecktem Netzteil. Ein SD Card-Reader fehlt, und damit ist er einfach zu spartanisch ausgestattet. Die Webcam ist mittelmäßig, die Lautsprecher aber ausreichend.
Der Archos 9 bietet ein ordentliches 9" Display mit 1024x600 Pixel. Die Helligkeit ist mit 130 - 170 Lux als gut einzustufen, die Ausleuchtung aber nicht ganz homogen. Die Touchfolie trübt minimal das Bild, bei gewissen Farbflächen sind Streifen sichtbar, die jedoch bei einem normalen Farbfoto oder Film nicht erkennbar sind. Die Darstellungsqualität ist sonst gut, den Inhalt kann man auch im Freien noch ausreichend erkennen, solange die Sonne nicht zu stark ist.
Der Archos 9 ist dünn und er ist leicht. Das macht Ihn zu einem unschlagbaren Begleiter - in der Dokumententasche fällt er nicht auf. Man nimmt ihn raus und kann sogar 3 bis 5,75 Stunden lang arbeiten, denn der Atom Silverthorne verbraucht nur wenig Strom. Leider fehlt dem Archos die wichtige UMTS Option.
Der Archos 9 wird mit Windows 7 ausgeliefert, das allerdings lange zum Starten benötigt und das System schnell überfordert. Die gelieferten Programme sind mittelmäßig, die Lotus Office Suite ist aber nett, wobei man mit der virtuellen Tastatur nicht gut texten kann. Einige Programme funktionieren leider gar nicht und die Recovery Software braucht ewig.
Der Archos 9 ist für ein Slate Tablet sau günstig. 500 EUR ist unschlagbar, die anderen Slates kosten 3 bis 5x so viel. So billig sind nichteinmal UMPCs und MIDs. Allerdings hat der Archos 9 Probleme mit der Software, ist instabil und kann sogar abstürzen. Spezialanbieter könnten jedoch den Archos optimieren und diesen als kostengünstige Alternative für B2B, Industrie und vertikale Märkte anbieten. Für Endkonsumenten ist er vermutlich wegen dieser Probleme uninteressant, auch weil er preislich teurer als ein Netbook ist. Archos muss zudem das User Interface verbessern, ehe Apple mit dem iPad in diesem kaum besetzten Markt einprescht.
[igor.c]

Hardware und Technik | Software und Service | Verarbeitung, Design Ergonomie, Lautstärke Rechenleistung Grafikleistung Ausstattung, Aufrüstbarkeit Bildqualität Mobilität, Akkulaufzeit | ■■■■■ ■■□□□ ■■□□□ ■■□□□ ■□□□□ ■■■■□ ■■■■□ | Windows 7 Lieferumfang Garantie, Service Preis | ■■■□□ ■■■□□ ■■■□□ ■■■■■ |
| Pro | Kontra | + extrem attraktiver Preispunkt von nur 500 EUR + modernes Consumer gerechtes Design + dünn, kompakt und angenehm leicht + kann sehr leicht mitgenommen werden + gute Akkulaufziet von bis zu 5,75 Stunden + Bluetooth | - Betriebssystem instabil, abstürze möglich - Festplatte an USB Port führt zu Kurzschluss und Stromabriss wenn der Slate am Netzteil hängt - Winodws 7 bremst das System aus - einige Archos Programme funktionieren nicht - Standbein nur schwer herauszunehmen - wenig Anschlüsse, kein zweiten USB-Port, kein Card-Reader - Userinterface und virtuelle Tastatur kaum nutzbar - mitgelieferter Stift ist zu dünn und biegt leicht ab - TouhScreen schwer kalibrierbar - geringe Rechenleistung, zu wenig Speichjer - kein G-Sensor |
| Verbesserungsvorschläge | ● Software und User-Interface optimieren ● mehr Arbeitsspeicher für mehr Spielraum bei Applikationen ● kleineres Netzteil |

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