

Der kompakte Eindruck, den das NVIDIA Referenzsystem von Außen hinterlässt, wird durch eine sinnvolle Anordnung der inneren Komponenten gewährleistet. Die nur 10 x 7,2 cm kleine Pico-ITX Platine mit CPU und Chipsatz befindet sich im oberen Teil des Gehäuses, auch um die entsprechende Kühlung und Abführung der erwärmten Luft zu gewährleisten. Die Pico-ITX Platine ist auf einer 3,5" Trägerplatine (Carrier Board) aufgesteckt, die die vielen Schnittstellen nach Außen beherbergt. Dieses Aufbauprinzip wird häufig im Embedded-Segment bei industriellen Mini-ITX Mainboards eingesetzt.
An der Unterseite hat NVIDIA eine 200 GB von Seagate im 2,5" Format eingebaut, der Arbeitsspeicher befindet sich direkt unterhalb der Festplatte. Dabei ist es nicht nur irgendein Speicher, sondern DDR3-1333. NVIDIA zeigt hiermit ebenfalls, dass der neue Chipsatz bis zu 2 GB DDR3-1333 RAM pro Speicherbank verwalten kann. Durch den schnellen DDR3 Speicher wird für die Atom Plattform auch erstmals ein hoher Speicherdurchsatz garantiert, denn bisherige Systeme waren mit maximal DDR2-667 ausgestattet. In wie weit DDR3 bei einer Leistungsschwachen Plattform wie der des Atoms Vorteile bringt, bleibt vorerst dahingestellt, ein Novum ist es in jedem Fall.

Das Herzstück der Ion Plattform ist der Intel Atom Prozessor in der Desktop Single-Core Version Atom 230 oder in der Desktop Dual-Core Version Atom 330 zusammen mit dem NVIDIA MCP79 Chipsatz. Mobile Versionen für Netbooks wird NVIDIA dann wohl mit aktuellen Atom N280 CPUs herausbringen, allerdings sind im Referenzdesign nur die Desktop Modelle des Atom eingesetzt worden. Den MCP79 Chipsatz hat NVIDIA übrigens nicht speziell für Ion oder den Atom entwickelt, sondern generell als Konkurrenzplattform zu Intel Centrino 2 und unterstützt somit alle anderen aktuellen Intel Prozessor.
Die Unterschiede zwischen dem derzeitig in Nettops und Netbooks eingesetzte 945GC und 945GSE Chipsatz zum NVIDIA MCP79 sind beachtlich. Erstens liegt ein Altersunterschied von 4 Jahren dazwischen. Der Intel Chip, der derzeit in Nettops und Netbooks eingesetzt wird, wurde 2005 eingeführt für die damaligen Intel Pentium D Desktop Prozessoren und Intel Centrino Notebooks. Der NVIDIA Chipsatz ist erst im Q4 2008 fertig gestellt und somit den aktuellen Gegebenheiten angepasst worden. Der Intel Chip besteht aus South- und Northbridge, der NVIDIA Chip ist eine One-Chip-Lösung und benötigt somit auch weniger Platz. Auch im Stromverbrauch gibt es erhebliche Unterschiede: der Intel 945GC gilt als Stromfresser und verbraucht über 20 Watt, während die Atom CPU nur 4 Watt (Atom 230) und 8 Watt (Atom 330) benötigt. Der NVIDIA Chipsatz begnügt sich mit max. 12 Watt, dabei ist eine GeForce 9400M G Grafik enthalten, die deutlich mehr Performance liefert. Dies wird sich ebenfalls auf die nötigen Kühllösung ausschlagen, denn somit benötigt man kleinere Kühlkörper und leisere Lüfter. Bisherige Intel Atom Desktop Lösungen mussten immer aktiv gekühlt werden (zumindest der Chipsatz).
Der integrierte GeForce 9400M G Grafikchip unterstützt DirectX 10 und ist somit auch Windows Vista Premium zertifiziert, Shader Model 4.0 und enthält auch den neuen NVIDIA VP3 Video Prozessor zur Entlastung der CPU beim Wiedergeben von HD-Videomaterial. Programme wie Cyberlink PowerDVD oder den MediaPlayer Classic, die die NVIDIA Purevideo Technik unterstützen, entlasten die CPU bei der Wiedergabe von HDTV Material um bis zu 70%. Ein Intel Atom 230 wäre gar nicht fähig, allein 1080p Videomaterial flüssig zu wiedergeben.
CUDA Technologie wird die Ion Plattform dann auch unterstützen. Falls Programme die CUDA Schnittstelle unterstützen, können dann alle 16 Stream-Prozessoren der GeForce 9400M G Grafikeinheit für parallele Berechnungen genutzt werden. Speziell dafür ausgelegte Videoconverter wie Badaboom oder TMPGEnc können dadurch Filme zehn mal so schnell umwandeln. Die Adobe CS4 Suite unterstützt CUDA ebenfalls für gewisse Bildbearbeitungsoperationen in Photoshop. Mittlerweile gibt es auch Spiele wie Unreal Tournament 3, die CUDA unterstützen und damit deutlich flüssiger auf einem Ion System laufen sollten, wenn auch nicht mit höheren Detailstufen. Aber generell weist der NVIDIA GeForce 9400M G eine 3D-Leistungssteigerung um den den Faktor 10x im Vergleich zum derzeitig in Atom Systemen eingesetzten Intel GMA 950 Grafikchip. Bei Full-HD Videos wird die NVIDIA Lösung 4x weniger CPU-Leistung benötigen und deshalb auch 1080p Videomaterial und Blu-ray Discs flüssig wiedergeben können. Solch eine Nachricht lässt den ein oder anderen HTPC-Interessenten aufhorchen, immerhin könnte mit Ion Nettops sehr leicht ein schnelles, hochintegriertes und preiswertes System angeboten werden.
Zu beachten ist auch, dass der NVIDIA MCP79 Chipsatz nicht auf der GeForce 9400 Grafikeinheit festgelegt ist, sondern mit einer Vielzahl (bisher 6) von Grafikchips kombiniert werden kann. Der Computerhersteller kann letztendlich selbst entscheiden, wie leistungsstark das System sein soll, da Lösungen wie Hybrid SLI, SLI und mit NVIDIA Quadro Grafikchip ebenfalls möglich sind. Erste Systeme mit dem NVIDIA MCP79 Chipsatz hat bereits Apple mit dem neun Mac Mini und MacBook fertiggestellt, Netbooks, Nettops und All-In-One PCs basierend auf der Ion Plattform mit Intel Atom und NVIDIA MC79 Chip wird es voraussichtlich ab Sommer 2009 geben.
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