
NVIDIA zeigt mit dem Referenzdesign deutlich, wie klein ein Mini-PC mit Intel Atom CPU und NVIDIA Chip sein kann... kleiner als bisherige Mini-PCs wie der Apple Mac Mini. Besonders die Anschlussvielfalt moderner Schnittstellen lässt die Herzen von HTPC und Multimediafans höher schlagen.
Die reine Prozessorleistung wird sich durch Ion nicht verändern, denn es werden immer noch die selben Intel Atom mit Single- oder Dual-Core CPUs eingesetzt. Bis zur Einführung der ersten Ion Produkte wird aber auch Intel neue Atoms mit mehr Leistung präsentieren. Einen deutlichen Performancezuwachs wird man im Bereich der 3D-Grafik erhalten, denn der eingesetzte NVIDIA GeForce 9400M G ist bis zu 10x schneller als der derzeit in Nettops und Netbooks eingesetzte Intel GMA 950 Grafikchip. Abgesehen davon kann Ion auch mit besseren Grafikchips von NVIDIA kombiniert werden. Zum Spielen kann Ion mit dem Atom Dual-Core durchwegs dienen, 3D-Games wie TrackMania Nations Forewer, Crysis, Spore oder Call of Duty 4 waren durchwegs flüssig, wenn auch mit normaler Detailstufe.
Viel versprechend ist die NVIDIA CUDA Technik, die im GeForce 9xxx Grafikchip enthalten ist. Bei CUDA wird nicht mehr die CPU, sondern die vielen (in GeForce 9400M G insgesamt 16) Stream-Prozessoren der Grafikkarte verwendet, um Berechnungen durchzuführen. Damit lassen sich Operationen deutlich beschleunigen, besonders in der Wissenschaft und bei Multimedia wird CUDA nützlich sein. Allerdings gibt es bis dato kaum Programme für den Enduser, die CUDA ausnutzen und daher ist es jetzt noch schwierig, aussagende Vergleiche zwischen CPU- oder GPU-CUDA-Berechnungsverfahren zu erstellen. GPU-Computing wird noch Monate bis Jahre brauchen, bis es sich durchsetzt.
Bei Full-HD Videos gerät die Version mit Atom Single-Core CPU an ihre Grenzen, zumindest dann, wenn der Windows Media Player WMV9 HD-Videomaterial wiedergeben soll. Denn der Windows Media Player kann die NVIDIA Beschleunigung nicht ausnutzen. Der Atom CPU geht bei 1080p Videos die Luft aus, die Dual-Core Version schafft das 1080p Video gerade noch zu verarbeiten. Ganz anders sieht das Bild aus, wenn man H.264Videos oder Blu-ray Discs mit einem MediaPlayer wie Cyperlink Power DVD abspielt, der die NVIDIA Purevideo Beschleunigung unterstützt. Hier flutscht nicht nur das Video ohne Ruckler, sondern die CPU wird auch um fast 70% entlastet, da der GeForce Grafikchip sämtliche Berechnungen zur Wiedergabe übernimmt. Dies ist eine ideale Voraussetzung für Home Entertainment.
Das Referenzssystem von NVIDIA zeigt deutlich, dass die Ion Plattform für den multimedialen Einsatz von Grund aus konzipiert ist und ermöglicht daher moderne Schnittstellen wie HDMI und DVI, 7.1 HD-Sound, e-SATA, USB usw. Intern kann ein PC mit Ion auch mit einem PCI-E 16x Slot und bis zu vier PCI-E 1x Slots bestückt werden. Man ist daher nicht nur auf die integrierte Grafikeinheit beschränkt, mit einer dedizierten NVIDIA Grafikkarte ist sogar Hybrid-SLI möglich.
Punkten kann Ion auch durch einen um ca. 10 Watt niedrigeren Stromverbrauch im Vergleich zu Intel Nettops, und das bei gleichzeitig 10x höherer Grafikleistung. 15 bis maximal 40 Watt für ein Komplettsystem mit integrierter GeForce Grafik ist schon beachtlich. Problematisch wird es aber im mobilen Segment, hierfür muss sich NVIDIA noch etwas einfallen lassen, da 12 Watt für den Chip mehr ist als ein ganzes Netbook benötigt. Bis zum Sommer wird aber NVIDIA sicher auch die Niedrigenergie-Version fertig stellen, denn das bisherige Produkt im Ion Referenzsystem wurde mit den Desktop Versionen des Intel Atom kombiniert.
NVIDIAs Ion Plattform ist die einzige Alternative für das Multimedia Low-Cost Segment. Da HDTV Videos und auch Blu-ray Discs flüssig wiedergeben können, sind Systeme auf Ion Basis ebenfalls eine Alternative zu einem recht teuren Blu-ray Player. Ausgerüstet mit entsprechender Media Center Software bieten solche Systeme zudem deutlich mehr Features, da es sich ja nach wie vor um einen kompletten PC handelt. Windows Vista läuft auf der Ion Plattform akzeptabel und genießt die Vorteile der GeForce Grafik. Interessant wird es aber sein wenn Windows 7 da ist, da es dafür ebenfalls eine Low-Cost Lizenz - wie derzeit mit Windows XP für Netbooks geschieht - geben wird. Zudem wird Windows 7 deutlich schneller als Vista sein, weniger Ressourcen benötigen, und damit mehr Spielraum für Multimedia- und Spieleapplikationen ermöglichen.
Mit Ion ist NVIDIA ein sehr interessantes Low-Cost Plattformkonzept gelungen. Für nur 50 EUR Aufpreis soll ein System mit Ion möglich sein, dass eine deutlich höhere Grafikleistung bietet als bisherige Lösungen von Intel. An dieser Performance wird auch Intels kommender GN40 Chipsatz für Atom (Pineview) nichts aussetzen können. Dieser hat zwar dann einen aktuellen GMA 4500 Grafikchip, doch der NVIDIA Prozessor wird deutlich die Nase vorne haben.
NVIDIA hat nun mit Ion endlich die Chance, in den Massenmarkt zu gelangen und sich einen soliden Marktanteil zu erkämpfen. Bisher konnten sich NVIDIAs Chipsätze bei Intel-Plattformen nicht durchsetzen und wurden meist nur bei speziellen Mainboards oder in Lösungen von Apple und wenig anderen Herstellern eingesetzt. Der günstige Preis von Ion macht das Produkt auch für das derzeitig boomende Segment der Netbooks und Nettops interessant, vorausgesetzt NVIDIA kann den Stromverbrauch noch etwas reduzieren, damit den Netbooks nicht zu schnell der Akku ausgeht.
Deutlich im Vorteil ist NVIDIA zeitlich gesehen, denn Ion ist jetzt schon fertig und soll im Q2 2009 ausgeliefert werden. Intel hat jetzt nur die neuen Atoms mit höherem FSB vorgestellt, was ziemlich ein trister Anfang für 2009 und den Netbookmarkt gewesen ist. Intels Pineview mit dem neuen Chipsatz soll erst im Sommer erscheinen, und bis dahin werden sicher einige Hersteller Innovationen dazwischen schieben wollen. Wenn man bedenkt, wie viele Netbooks derzeitig auf reinen Intel-Plattformen erscheinen weiß man, dass eine Lösung mit Ion eine absolute Neuheit in diesem Segment wäre.
Und die durch Ion und weiteren Gegebenheiten entfachten Differenzen zwischen Intel und NVIDIA haben einen weiteren Vorteil. Offenbar hat sich NVIDIA nun zum Ziel genommen, die Ion Plattform schnellstens zum Erfolg werden zu lassen. Daher hat NVIDIA auch schon die zweite Generation von Ion angekündigt, doch dieses mal wird Ion nicht nur kommende Intel CPUs unterstützen, sondern auch wieder den VIA Nano Prozessor, was ebenfalls eine gute Alternative zum Intel Atom sein könnte. Jetzt könnte man schon darüber spekulieren, wo wohl die Ion Lösung für AMD Prozessoren bleibt, denn das wäre nämlich ebenfalls ein absoluter Hit und würde vielleicht sogar AMD unter die Arme helfen.
[igor.c]
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